Großer Stuhlkreis im Besucherzentrum mit Menschen, die einr Person zu hören. Im Hintergrund Stellwände mit bunten Post-its

Expert Meeting 2022

Ready for take-off

Für das erste Expert Meeting wurden 30 Sachkundige aus allen Bereichen der Arbeit mit und an Denkmal-Großobjekten eingeladen, über die Zukunft des Denkmals Flughafen Tempelhof nachzudenken. Die folgenden Themen waren im Fokus der zweitägigen Veranstaltung:

Denkmale und Inwertsetzung

Anhand von Beispielen von Großobjekten vergleichbarer Relevanz und Komplexität wurden im ersten Panel-Workshop Erfahrungen mit Strategien und Potentialen einer denkmalgerechten Inwertsetzung vorgestellt. Entscheidende Fragen hierbei waren: Welche städtebaulichen und gesellschaftlichen Prozesse wurden durch die Aufwertungen von Industriekultur-Objekten ähnlicher Größenordnung in Gang gesetzt? Wie sind andernorts die Herausforderungen durch Erhalt und Umnutzung von vergleichbaren Bauwerken bewältigt worden?

Narrative für ein schwieriges und komplexes Erbe

THF mit seinen teils schwierigen und belasteten Zeitschichten ist kein Solitär. Allein in Europa lassen sich zahlreiche Beispiele großdimensionierter Bauwerke mit einer vergleichbar problematischen Codierung finden. Im zweiten Workshop-Panel ging es um die Fragen nach der kritischen Aufarbeitung von Narrativen und der Überführung in neue und zeitgerechte Deutungen und Kommunikationsangebote.

Denkmal und Nachhaltigkeit

Angesichts der Klimakrise kommt dem Bestand und den hiermit verknüpften Ressourcen – ökologisch, kulturell wie auch gesellschaftlich – eine zunehmende Bedeutung zu. Ressourcenökonomie, Reparaturfähigkeit und Gesamtenergiebilanz waren die Themen des dritten Workshop-Panels. Baudenkmale und historische Bausubstanz in der Lage, einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten, vorausgesetzt, dass energetische Optimierungen mit individuellen Lösungen – und nicht starren Normierungen – geplant werden.

Prozessmanagement bei Denkmal-Großprojekten

Hochkomplexe Sanierungsmaßnahmen, erst recht solche im Hinblick auf neue und dem Bauwerk nicht originär verbundene Nutzungsideen, erfordern eine adäquate Steuerung der denkmalfachlichen, bauplanerischen, kommunikativen und konzeptionellen Arbeiten. Im vierten Workshop-Panel wurden Ansätze zum Management vorgestellt und deren Entwicklung und Adaption nachvollziehbar gemacht.

Bildergalerie

Eine Gruppe von Menschen in Bussines-Outfits steht vor einem historischen Flugzeug im Hangar am Flughafen Tempelhof
Großer Stuhlkreis im Besucherzentrum mit Menschen, die einr Person zu hören. Im Hintergrund Stellwände mit bunten Post-its
Eine Wand mit vielen bunten, beschrifteten Post-its
3 Personen auf einer Bühne bei einer Veranstaltung. Im Publikum sitzen andere Menschen
3 personen, zwei Männer und in der Mitte eine Frau, schauen zur Seite an der Kamera vorbei
Nahaufnahme von zwei Händen, die mit einem schwarzen Edding etwas auf einen grünen Post-it schreiben. Als Unterlage dient eine Schrift der Denkmalwerkstatt.

Fachbeiträge zum Expert Meeting 2022

Fachbeitrag von Prof. Dr. Harald Garrecht

Fachbeitrag von Prof. Dr. Harald Garrecht

Tempelhofer Feld & Flughafengebäude: Künftig ein aktiver Energiebaustein Berlins?

Von Prof. Dr. Harald Garrecht

Das erklärte Ziel des Projekts ist es, ein umfassendes Konzept für einen nachhaltigen und energieeffizienten Flughafen Tempelhof in Berlin zu entwickeln und umzusetzen. Dieses würde auf erneuerbaren Energien basieren und einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir innovative Technologien und Konzepte zur Energiegewinnung, -speicherung und -nutzung einsetzen.

Eine wichtige Komponente des Konzepts wäre der Energy Power Block THF, der eine hohe Eigenversorgungsquote mit erneuerbaren Energien anstrebt. Dieser Block würde aus einer Vielzahl von Energieerzeugungsanlagen bestehen, darunter Solaranlagen, geothermische Systeme und thermisch aktive Bauteile. Durch die Kombination dieser Technologien wird einen Großteil des Energiebedarfs des Flughafengebäudes aus erneuerbaren Quellen gedeckt.

Auf den Dachflächen des Flughafengebäudes und anderer Gebäude im Bereich des Tempelhofer Feldes können umfangreiche Photovoltaik- oder PVT-Systeme installiert werden. Diese Systeme würden das Sonnenlicht einfangen und in elektrischen Strom umwandeln. Darüber hinaus lässt sich auch die solare Wärme und Umweltwärme gewinnen, um diese für die Wärmeversorgung zu nutzen. Der erzeugte Strom könnte entweder direkt genutzt oder in Batterien oder anderen elektrischen Energiespeichern gespeichert werden, um den nicht direkt nutzbaren Strom bei einem späteren Bedarf bereitstellen zu können und so eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz zur Energieerzeugung wäre die Nutzung von Geothermie. Hierbei wird die oberflächennahe Wärme des Erdreichs genutzt, um Gebäude zu heizen oder zu kühlen. Es würden fortschrittliche geothermische Systeme eingesetzt, die Wärme aus dem Boden entziehen und sie zur Beheizung der Gebäude oder zur Versorgung von Wärmepumpen nutzen.

Neben der Gewinnung der lokal am THF anstehenden bzw. anfallenden Wärme aus Erneuerbaren kommt auch der Speicherung von Wärme eine große Bedeutung zu. Verschiedene Technologien zur Energiespeicherung sind denkbar, um verfügbare und überschüssige Wärme zu speichern und sie bei Bedarf verfügbar zu machen. Aktuelle Forschungen zeigen, dass beispielsweise Eisspeicher erhebliches Potenzial bieten, mit denen sich die beim Wechsel von der flüssigen zur festen Phase freiwerdende Latentwärme mit angepassten Wärmepumpen über die PVT-Systeme selbst in der Heizperiode nutzen lässt. Die Eisspeicher lassen sich aber auch im Sommer zur Kühlung oder zur Sicherstellung des Betriebs technischer Anlagen und Prozesse vorteilhaft einsetzen. Zusätzlich können hydraulisch-pneumatische Druckluftenergiespeicher eingesetzt werden, um mit der überschüssigen elektrischen Energie die Luft auf hohe Drücke zu komprimieren. Bei Strombedarf lässt sich die Druckluft wieder entspannen und mit hydraulischen Antrieben mittels Generatoren wieder Strom freizusetzen. Dabei besteht die Herausforderung, die bei der Verdichtung anfallende Wärme und auch die bei der Entspannung entstehende Kälte bestmöglich im Energieversorgungskonzept zu nutzen, um einen hohen Gesamtwirkungsgrad zu erzielen.

Des Weiteren sind dezentrale Warmwasserspeicher ein integraler Bestandteil des Energiespeicherkonzepts. Diese Speicher würden überschüssige sensible Wärme speichern, um bei Bedarf Warmwasser für die Gebäudeversorgung bereitzustellen.

Über die Aspekte der Energieeffizienz und die Gewinnung, Nutzung und Speicherung von erneuerbaren Energien hinaus sind aber auch Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Das Konzept würde darauf abzielen, ressourcenschonende Baumaterialien einzusetzen, um den ökologischen Fußabdruck der Gebäude zu minimieren. So sind zum Beispiel recycelte Materialien zu verwenden und auf umweltschädliche Stoffe zu verzichten. Auch das Wasser- und Abfallmanagementprozess ist nachhaltig zu gestalten, um eine effiziente Nutzung von Ressourcen zu ermöglichen und die Umweltlast des THF zu reduzieren.

Das umfassende Konzept für das Tempelhofer Feld und das Flughafengebäude wird also darauf abzielen, eine hochmoderne, nachhaltige und energieeffiziente Umgebung zu schaffen. Es würde auf innovative Technologien und systemische Konzepte setzen, um einen nachhaltigen Umgang mit Energie zu fördern und erneuerbare Ressourcen optimal zu nutzen. Mit diesem Konzept würde das Tempelhofer Feld und das Flughafengebäude zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Energiesysteme im Denkmal und eine umweltfreundliche Entwicklung werden.

Facbeitrag von Dr. Ralf Beil

Welterbe Völklinger Hütte – Monument des Anthropozäns

Dr. Ralf Beil

Die Völklinger Hütte ist das erste bedeutende Monument der Industriekultur in Deutschland, das zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde. Dieser im Jahr 1994 erfolgten Auszeichnung war eine große zivilgesellschaftliche Initiative vorausgegangen, die Kommunen und das Land überzeugen konnte, die entsprechenden Anträge einzureichen.

Heute ist die Hütte nicht nur ein gigantisches Zeitzeugnis der Montanindustrie des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern auch ein viel besuchtes kulturelles Zentrum und ein Ort der Selbstreflektion in der Welt des 21. Jahrhunderts. Die Leitfragen dieses Ortes sind: Welche Geschichte(n) erzählen wir über die Industriekultur? Wie schaffen wir Freiräume für Inspiration und Kreativität, für demokratischen Dialog und kulturellen Austausch?

Wir wollen Erfahrungen mit allen Sinnen ermöglichen. Wir stellen Fragen, die Google nicht beantworten kann. Wir schaffen Erlebnisse, die das Internet nicht liefern kann.

Was bedeutet das für den Flughafen Tempelhof? Ähnlich, wie es der Völklinger Hütte gelungen ist, zu einem einmaligen Schauplatz der Industriekultur zu werden, hat auch der Flughafen Tempelhof das Potenzial, zu einem Erbe der Menschheit, zu einem Vermächtnis des Anthropozäns zu werden.

Dafür braucht es eine auf das Denkmal zugeschnittene Vision. Gleichzeitig gilt es, den bestmöglichen Erhalt und die Entwicklung der Gesamtanlage zu sichern, wie dies etwa im Masterplan „Weltkulturerbe Völklinger Hütte 2030“ berücksichtigt wurde.

Möglicherweise können auch die Zukunftsthemen der Völklinger Hütte für den Flughafen Tempelhof von Interesse sein:

  • Die umfassende Wahrnehmung von Natur als wesentliche Kulturform unserer Zeit
  • Die erfolgreiche Positionierung als Labor potenzieller Zukünfte
  • Entwicklung einer Haltung, die ethische Fragen ins Zentrum jeglichen Handelns stellt
  • Die Nähe zu Menschen und Themen als wichtigstes Kapital

Der Flughafen Tempelhof bietet alle Voraussetzungen, sich zu einem Ort mit großer Strahlkraft zu entwickeln.

Fachbeitrag von Sharon Golan

Das Denkmal als Ort des Austauschs und der Begegnung

Von Sharon Golan

Der Flughafen Tempelhof war zur Zeit seiner Erbauung ein innovatives, progressives Bauvorhaben. In Weiterführung dieses Ansatzes sollte eine Instandsetzung und Umnutzung, der DNA des Gebäudes entsprechend, neue Wege des Umgangs mit diesem wichtigen Großdenkmal aufzeigen. Dies beinhaltet sowohl die Instandsetzung als auch die Nutzung, die sich an aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Nachhaltigkeit und der Energiewende orientieren sollten.

Auch die Stadtbevölkerung als wichtiger Player muss in diesen Prozess einbezogen werden. Die Vernetzung mit der Stadt, sowohl stadträumlich als auch gesamtgesellschaftlich, muss ein wichtiges Anliegen sein, damit zum einen die allgemeine Akzeptanz gewährleistet wird, darüber hinaus jedoch vor allem ein lebendiger Ort entsteht. Dazu ist es unabdingbar, die Durchlässigkeit zwischen Stadt, Gebäude und Flugfeld zu gewährleisten. So wäre die Einzelbetrachtung eines Denkmals das falsche Konzept. Stadt, Gebäude und Flugfeld müssen gemeinsam betrachtet werden. Eine Einbeziehung des Ortes in das alltägliche Leben der Berlinerinnen und Berliner und der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Stadt muss ein zentraler Ansatz sein.

In Tel Aviv ist es gelungen, das Liebling-Haus als Visitenkarte für das UNESCO Weltkulturerbe Weiße Stadt zu etablieren. Es dient einerseits als Anlaufpunkt für Touristinnen und Touristen, andererseits als Vorzeigeprojekt einer denkmalgerechten, nachhaltigen Instandsetzung für die Bevölkerung der Stadt. Gleichzeitig ist ein lebendiger Ort der Begegnung entstanden. Durch diesen offenen Austausch, durch die Diskussion zwischen Bewohnerinnen und bewundernden Besucherinnen entsteht ein reflektierter Blick zurück in die Vergangenheit, aber auch nach vorne auf zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen.

Nicht die Musealisierung, sondern ein zukunftsweisender Umgang mit diesem weit über Berlin hinaus bedeutenden Denkmal sollte das Ziel sein. Dies könnte eine Inspiration für die Denkmalpflege allgemein, auch in Israel, werden.

Fachbeitrag von Dipl.-Ing. Ayhan Ayrilmaz

Nachhaltige Lösungsprozesse entwickeln und umsetzen

Von Dipl.-Ing. Ayhan Ayrilmaz

Die zukünftige Inwertsetzung und Nutzung des ehemaligen Flughafens bietet als Modellprojekt die einmalige Chance, eine Vielzahl von relevanten Themen zu verzahnen und ein Zukunftsprojekt zu entwickeln.

Ziel muss es sein, nachhaltige Lösungsprozesse im Umgang mit diesem ikonischen Bauwerk zu entwickeln, Nutzungsinteressen, Bestandserhalt, Denkmalschutz- und Klimaschutzaspekte unter Einbindung von Beteiligten und Stadtgesellschaft in Einklang bringen.

Dabei muss die Wertschätzung des Vorhandenen zum Maß aller Dinge werden. Ein nachhaltiger Lösungsweg kann nur erfolgreich erreicht werden, wenn sich alle Projektbeteiligten auf ein gemeinsames Ziel einschwören und an dem berühmten einen Strang ziehen. Nur so kann man Begeisterung wecken und Menschen – auch Politik und Behörden – mitreißen. Maximale denkmalpflegerische Forderungen und Auflagen werden genauso wenig zum Ziel führen wie üppige Zielgruppeninteressen, die nicht zeitgemäße und nicht denkmalgerechte Nutzungen vorsehen.

Die große Herausforderung wird darin bestehen, den Übergang vom Wissen zum Entscheiden und Handeln zu meistern und Wissen in Organisation zu überführen.

Erst durch ein konkretes Projekt bekommt das Wissen Gestalt. Zur Erreichung dieses Ziels müssen Entscheidungen getroffen werden. Rechtzeitig und nachhaltig. Manches Mal auch, ohne Meinungsbildungs- und Denkprozesse bis ins kleinste Detail abschließen zu können. Fragen müssen neu gestellt werden: Wie hoch muss der Informationsgrad sein? Das heißt: Wie viele Informationen werden eigentlich für eine Entscheidung benötigt? Das heißt auch: Abschied nehmen von vielen lieb gewonnenen Gewohnheiten und Ansprüchen, die unsere Planungsprozesse nicht selten ins Abseits führen. Abschied nehmen von vielen Standards und der weit verbreiteten Regelwerksgläubigkeit, die bei einem Denkmalprojekt ohnehin nicht DIN-gerecht zu realisieren wären. Die Ausnahme zur Regel machen! Und entscheiden. Immer wieder entscheiden.

Voraussetzung ist gebündelte Fachkompetenz, zentriert und teamorientiert.

Der Flughafen hat das Potenzial, Beständigkeit und Veränderung sowie Baukultur und Stadtentwicklung gleichermaßen zu symbolisieren. Durch ein respektvolles Weiterbauen, Anpassen und durch Weglassen oder besser „kreatives Unterlassen“ kann die besondere Geschichte des Gebäudes fortgeführt werden.

Wäre es nicht wunderbar, wenn die weitere Nutzung des Flughafens als energiearmes, klimaresilientes und denkmalgerecht saniertes Gebäude mehr wäre als die Summe seiner Teile? Wenn der Flughafen Tempelhof künftig nicht nur als Zeichen für Vergangenheit, sondern auch als Zeichen für die Zukunft stehen würde?

Fachbeitrag von Dipl. Ing. Jens Dauber

Ein Werkzeugkasten für die Entwicklung des Flughafens Tempelhof

Von Dipl. Ing. Jens Dauber

Für das Großdenkmal Tempelhof wird es vermutlich zunächst darum gehen, in einer komplexen Gemengelage Zeit für einen angemessenen Erhaltungs-, Vermittlungs- und Entwicklungsprozess zu gewinnen und sukzessive die hierfür erforderlichen Mittel zu akquirieren. Eine passende Roadmap bzw. ein Managementplan kann hierfür eine wichtige Voraussetzung sein.

Zu diesem Zweck lassen sich von der UNESCO-Kommission anerkannte Managementpläne für Welterbestätten problemlos auf Kulturerbestätten im Allgemeinen und damit auch auf ein Großdenkmal internationalen Ranges anwenden. Managementpläne dieser Art sichern den Fortbestand einer Stätte.

Managementpläne für Welterbestätten beschreiben nicht nur alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz und zum Erhalt einer Stätte, sie bewerten und unterstützen zusätzlich auch die Maßnahmen, die für die Weiterentwicklung sowie zur Anpassung an moderne Nutzungsansprüche erforderlich werden. In diesem Zusammenhang gilt, dass neue – und auch durchaus hochwertige – Nutzungen den Erhalt eines als Denkmalwert erkannten Objekts unterstützen. Den aus neuen Nutzungen erwachsenden Veränderungsdruck gilt es dabei denkmalverträglich zu gestalten und in einen Planungs- und Abstimmungsprozess zu überführen. Tempelhof bietet aufgrund seiner Größe und seiner seriellen Struktur sicherlich idealtypische Möglichkeiten für sehr unterschiedliche Nutzungs- und Aneignungsszenarien.

Fachbeitrag von Prof. Dr. Heike Oevermann

Good Practice Wheel als Strategie für den Flughafen Tempelhof

Von Prof. Dr. Heike Oevermann

Denkmalpflege und behutsame Stadtentwicklung brauchen einen integrativ agierenden Prozess. Dabei stellt sich die Frage, wie denkmalpflegerische Anliegen und Standortentwicklung verhandelt und sinnvoll verbunden werden. Hier kann das Instrument des Good Practice Wheel (H. Oevermann, H. Mieg) eine Hilfestellung leisten.

Das Good Practice Wheel basiert auf der Erkenntnis, dass Industriedenkmäler Teil des städtischen Wandels sind. Die integrative Gestaltung der Prozesse kann entlang von acht Aufgabenbereichen zueinander strukturiert werden. Diese sind:

Denkmalpflege: Die Erhaltung und Vermittlung des Denkmalwerts ist das Hauptanliegen. Die Bewahrung der charakteristischen Struktur- und Gestaltungsmerkmale ist für alle Entscheidungen (Management, Bildung, Umnutzung, etc.) zentrales Kriterium. Tempelhof hat den Vorteil, dass seine konstitutive Großform kluge Eingriffe in kleineren Maßstäben gut verkraftet.

Umnutzung: Geeignete Formen der Nutzung sind erforderlich, um die langfristige Erhaltung sicherzustellen. Die Öffnung und Zugänglichkeit des Großdenkmals durch Nutzungen unterstützt die Wahrnehmung und Anerkennung in der breiten Bevölkerung und legitimiert nötige Investitionen.

Einbeziehung der Stadtgesellschaft: Die Einbindung vielfältiger Akteure trägt dazu bei, ein Verständnis für die komplexe Aufgabe der Erhaltung und Entwicklung zu generieren und ist Bestandteil jeder langfristigen Perspektive.

Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel: Tempelhof ermöglicht, das Planungsparadigma der Suffizienz und Effizienz (E. Endres) umzusetzen und ein Modell zu schaffen, das die Bundespolitik in den Erhaltungs-und Entwicklungsprozess für Tempelhof mit einbezieht.

Bildung: Informations-, Vermittlungs- und Bildungsaktivitäten sind von wesentlicher Bedeutung. Hier kann der Zugang zum Großdenkmal verbessert und die Stadtgesellschaft durch außerschulische Lernorte, Kunst und Kultur Teil der Entwicklung von Tempelhof werden.

Stadtentwicklung: Die Stadtentwicklung hat die Aufgabe, benachteiligte städtische Umgebungen aufzuwerten. Auf dem Tempelhofer Feld gelingt dies bereits. Wirtschaftlich, sozial und ökologisch tragfähige Konzepte für THF verbinden Ziele der Stadtentwicklung mit denen der Nachhaltigkeit.

Forschung: Die Forschung und die Bewertung des Großdenkmals tragen dazu bei, die historische(n) Stadtgeschichte(n) zu erfassen und zu begreifen. Streit kann dabei als ein Denkmal-Wert (G. Dolff-Bonekämper) und als Indikator demokratischer Prozesse verstanden werden. Forschungseinrichtungen und Universitäten können als Intermediäre und Impulsgeber funktionieren.

Management: Das Management organisiert die verschiedenen Interessengruppen und Behörden in den Planungsprozessen. Es steuert die integrative Bearbeitung des Erhaltungs- und Entwicklungsprozesses von Tempelhof und überblickt die unterschiedlichen Maßstäbe von der Stadt bis zum Umgang mit dem architektonischen und technischen Detail des Großdenkmals.

Fachbeitrag von Dr. Harald Bodenschatz

Von Dr. Harald Bodenschatz

Der Flughafen Tempelhof, sein riesiges, die Form des Flughafens bestimmendes Gebäude, das Flughafenfeld selbst und die Übergangsbereiche zwischen Flughafen und Stadt verkörpern zusammen eine der wichtigsten und einprägsamsten städtebaulichen Anlagen von Berlin. Diese Stadtlandschaft erhielt ihre bis heute prägende Form in der Zeit des Nationalsozialismus, ihre internationale Bedeutung entstand aber vor allem in drei Phasen, in der Geburts- und Aufstiegsphase während der Weimarer Republik, in der Umbau- und Ausbauphase der nationalsozialistischen Diktatur sowie in der Zeit des Kalten Krieges.

Dieses besondere städtebauliche Erbe gilt es nicht zu ignorieren, zu verbergen, zu verdrängen, sondern offensiv zu akzeptieren und erhaltend zu erneuern, ja zu einer der großen Erzählungen Berlins zu machen. Denn das größte Gebäude Deutschlands mit seinem riesigen Vorfeld spiegelt die harte Geschichte Berlins im 20. Jahrhundert wie kein anderer Ort wider – die Geschichte zweier Diktaturen, die sich am Thema Luftverkehr festmacht: Bau und Art der Nutzung in der NS-Zeit und die Luftbrücke als Antwort auf die Blockade nach dem Zweiten Weltkrieg. Berlins Geschichte von Weltrang ist vor allem die Geschichte des 20. Jahrhunderts, darin unterscheidet sie sich von anderen Metropolen Europas.

Der Flughafen Tempelhof hat jedoch noch nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhalten. Er darf auch nicht als isolierte und introvertierte Insel behandelt werden. Er erfordert eine ganzheitliche Sichtweise, die ihn als Teil einer luftfahrthistorischen und politischen Gesamtlandschaft mit vielfachen Bezügen zur umgebenden Stadt begreift.

Zuallererst muss sich Berlin aber der besonderen Bedeutung dieses Flughafens bewusst werden – besonders an dessen 100. Geburtstag im Jahr 2023!

Das städtebauliche Erbe ist mehr als bloß ein Zeugnis der Geschichte. Es ist immer auch ein Dokument unserer Zeit, Zeugnis der Art und Weise, wie wir damit umgehen, Spiegel unserer Erinnerungskultur. Das gilt auch und in besonderem Maße für das Erbe von Diktaturen. Als „unbequemes Erbe (dissonant heritage)“ ist es nicht nur von nationalem Interesse, sondern „Bestandteil der europäischen Geschichte und des europäischen Kulturerbes“ (BBSR). Der Flughafen Tempelhof vermittelt ein in dieser Dimension einzigartiges, dissonantes städtebauliches Erbe von internationalem Interesse und internationalem Rang – wie ganz Berlin überhaupt.

Fachbeitrag von Prof. Dr. Ingrid Scheurmann

THF als Dissonant Heritage

Von Prof. Dr. Ingrid Scheurmann

Das Denkmal in seinen historischen Zusammenhängen betrachten

I. Der Flughafen Tempelhof ist ein „unbequemes Erbe“ (Norbert Huse) von nationaler Bedeutung mit vielfältigen Bedeutungs- und Erinnerungsschichten, denen die derzeitige Trennung des Ensembles in Gebäude und Flugfeld zuwiderläuft. Anstelle der Fragmentierung dieses Erbes erscheint seine Integration sowohl in die komplexe NS-Militärlandschaft Berlins als auch deren Kontextualisierung in der städtebaulichen Geschichte und zukunftsorientierten Entwicklung des Bezirks sinnvoll.

Das Denkmal als Ort ambivalenter Erinnerungen offenhalten

II. Mit der Geschichte des Ensembles verbinden sich vielfältige „rumorende Erinnerungen“ (Aleida Assmann), auf die eine zukünftige Nutzung Rücksicht nehmen sollte. Der Ort ist ein Erinnerungsort par excellence, verknüpft mit leidvollen (z.B. Zwangsarbeit), aber auch freudigen Erinnerungen (z.B. Luftbrücke) und sollte darauf mit Angeboten zur Teilhabe Bezug nehmen, ein Ort für die Bürger:innen sein.


Das Denkmal als Ort des Zukunftsdiskurses etablieren

III. Die Chance, mitten in Berlin über einen verkehrstechnisch gut angebundenen Ort mit großem Flächenangebot und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zu verfügen, sollte ergriffen werden, um – neben den notwendigen Vermietungen – Denk-Räume für die Entwicklung von Zukunftsoptionen für die Stadt in Zeiten von Klimawandel und Verdichtung zu erschließen. Das Nachdenken über die Erhaltung (und Ertüchtigung) der Gebäudesubstanz (Beton, Stahl, Naturstein) hat dafür exemplarische Relevanz, zumal die Stadtentwicklung von morgen wesentlich auf Weiterbauen und Bestandsentwicklung beruhen w

Den Denk-Raum Stadt als Denkmal-Labor konkretisieren

IV. Gebäude und Flugfeld Tempelhof sollten meines Erachtens zu einem über Berlin hinaus wegweisenden interdisziplinären Ort der Forschung zur Zukunft der europäischen Stadt entwickelt werden, wo Lösungen für die Erhaltungsfragen von Gegenwart und Zukunft mit Denkmalbehörden, Naturschutzeinrichtungen, den Universitäten, einschlägig arbeitenden Start-ups, Materialforscher:innen und Architekt:innen entwickelt werden.

Fachbeitrag von Prof. Dr. Andreas Putz

THF: Anmerkungen zur baulichen Erhaltung

Von Prof. Dr. Andreas Putz

Die Bedeutung des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof als Baudenkmal gründet in der Vielfältigkeit der historischen Ebenen. Anpassungen und Überformungen garantierten, dass das Gebäude in der Nachkriegszeit für den zivilen und militärischen Luftverkehr genutzt werden konnte. Die materiellen Überlieferungen dieser Phasen bieten Stoff für vielfältige und faszinierende Geschichten. Nicht zuletzt, weil sie teilweise im sichtbaren Widerspruch zur eindrücklich erlebbaren Monumentalität und gestalterischen Homogenität des ursprünglichen Bauwerks von Ernst Sagebiel stehen, diese aber teilweise bewusst brechen.

Herausforderungen wie die Stahlkonstruktion des Hangars stehen der erstaunlich unkompliziert erscheinenden Erhaltungsfähigkeit der Natursteinfassaden gegenüber. Es sollte zukünftig darauf geachtet werden, ob tatsächlich alle neuen Bauregeln und normativen Forderungen (Brandschutz etc.) erfüllt werden müssen, insbesondere, wenn noch keine Nutzungen für Räume und Gebäudeteile feststehen und die Verkehrssicherheit gewährleistet ist.

Die baudenkmalpflegerische Herausforderung besteht darin, die Gesamtanlage in ihrer Geschlossenheit wie Vielschichtigkeit dauerhaft zu erhalten, auch wenn bislang noch keine neue Nutzung feststeht. Komplexität und Größe des Bauwerks garantieren Erhaltung und Pflege als Daueraufgabe. Dafür müssen eine Strategie und ein Managementplan erstellt werden, der eine einheitliche Sprache verschiedener, auch zeitlich und räumlich unabhängiger Eingriffe der Bauwerkserhaltung garantiert. Planerische und bauliche Leistungen sollten in derselben Hand bleiben. Der anscheinend bereits etablierte Grundsatz, sich auf das Notwendige zu beschränken und aus dem Bestand heraus Lösungen zur Erhaltung zu entwickeln, ist begrüßenswert.

Fachbeitrag von Prof. Dr. Harald Garrecht

Flughafen Tempelhof, mehr als Europas größtes Baudenkmal?

Von Prof. Dr. Harald Garrecht

Das Flughafengebäude, das eine Länge von ca. 1,2 km aufweist und eine Brutto-Grundfläche von etwa 300.000 m² besitzt, wirft unweigerlich die Frage auf, wie es gelingen könnte, das Denkmal mit seinem künftigen Nutzungskonzept der Klimaneutralität zuzuführen.

Bisherige Planungen sehen vor, 96% CO2-Emissionen und 44% Energie einzusparen. Mit den üblichen Konzepten der Energieversorgung lässt sich dieses Ziel aber nur bedingt erreichen.

Auf den bisherigen Planungen aufbauend, ist ein neu gedachter, systemischer Versorgungsansatz denkbar. In diesem sollten die gewaltigen Potenziale des großflächigen und großvolumigen Baukörpers bestmöglich genutzt werden.

Mindestens dreimal so viel Energie wie bei Solarstrom lässt sich thermisch mittels der auf den Dachflächen anfallenden solaren Wärme wie auch Umweltwärme gewinnen. Anstelle einer Photovoltaik-Anlage müssten denkmalgerechte Photovoltaik/ Solarthermie-Systeme auf den Dachflächen zum Einsatz gebracht werden. Mit kaskadierten Wärmepumpen ließe sich die über die Dachflächen gewonnene Wärme effizient nutzen, doch bedarf ein solches Projekt die Integration von thermischen Energiespeichern (Eisspeichern, großvolumige Wasserspeicher, thermischer Beladung des Erdreichs). Mit einem auf Flughafengebäude und Umfeld abgestimmten Speicherkonzeptes ließen sich folglich die nicht direkt nutzbaren Wärmegewinne zwischenspeichern. Doch auch die großen Gewinne durch die PV-Eindeckung der Dächer lassen sich nur in überschaubarem Maße direkt im Flughafengelände nutzen oder in das anliegende Stromnetz einspeisen. Daher bedarf es der Integration elektrischer Energiespeicher, um die großen Erträge der auf den Dachflächen installierten PV kurz- bis mittelfristig zwischenspeichern und zeitversetzt nutzen zu können.

Hier könnte sich ein neuartiger hydraulisch-pneumatischer Druckluftenergiespeicher als zukunftsweisend erweisen, der im Rahmen eines Verbundvorhabens in Baden-Württemberg erprobt werden wird. Die bei der elektrischen Be- bzw. Entladung des Speichers freiwerdende Prozesswärme bzw. Prozesskälte lässt sich mittels eines systemintegrierten Wärmetauschers im Gebäude oder im umliegenden Gewerbe nutzen.

Erfüllt der neuartige elektrische Speicher die Erwartungen, wäre mit der Aufstellung des Speichersystems in einer ungenutzten Fläche des Flughafengebäudes ein elektrischer Energiespeicher mit einer Speicherkapazität von 500 MWhel oder gar 1 GWhel realisierbar. Der PV-Strom könnte nicht nur im Flughafengebäude, sondern auch an die angrenzenden Wohnquartiere zur Nutzung freigegeben werden. Gleichermaßen wäre die anfallende Prozesswärme bzw. Prozesskälte im Flughafengebäude oder im benachbarten Quartier verfügbar.

Mit der Anbindung des kapazitätsstarken Druckluft-Energiespeichers an das außen anliegende elektrische Versorgungsnetz ließe sich dieser auch netzdienlich betreiben. Damit wäre die Vision greifbar, den Flughafen Tempelhof als aktiven Energiebaustein zu betreiben. Technisch ist es möglich, mithilfe von neuartigen Druckröhren-Speichern 500 MWh Strom oder mehr zu speichern.

Dieser innovative systemische Ansatz hat das Potenzial, nicht nur eine klimaneutrale Versorgung des Flughafen Tempelhofs sicherzustellen, sondern auch die angrenzenden Quartiere mit in das Energiekonzept einzubeziehen.

Eine spannende Herausforderung, die es lohnt, in den kommenden Workshops vertieft zu untersuchen: Flughafen Tempelhof – ein energieaktiver und denkmalgerechter Baustein im Versorgungskonzept der Metropole.

Fachbeitrag von Prof. Dr. Elisabeth Endres

Suffizienz und Effizienz. Neue Wege der Sanierung.

Von Prof. Dr. Elisabeth Endres

Ein Gebäude, das flexibel und resilient gegenüber Nutzungsveränderungen oder auch klimatischen Bedingungen ist, ist nachhaltig. Wenn ein Haus lange hält und unterschiedlichen Anforderungen standhält, ist es nachhaltig.

Die Speichermasse und Massivität von Baustoffen – wie beim Flughafen Tempelhof – hilft, Lastschwankungen auszugleichen, ohne mit Technik gegensteuern zu müssen.

Unsere Arbeit bestimmt, wie viel Energie ein Gebäude im späteren Betrieb braucht, wie viel Energie es erzeugt und wie viel Energie in den Baumaterialien steckt. Wir dürfen nicht nur an der Effizienz der Gebäudehülle schrauben, das ist der große Irrweg, in den wir aktuell laufen.

Ist es denn die Lösung, immer gleich mit einem Produkt zu reagieren oder könnte man es nicht auch wieder einfacher lösen – nämlich baukonstruktiv, über Materialien und nicht immer nur über technische Vehikel, wie etwa mit einer schnelleren Lüftungsanlage? Die Frage ist doch: Braucht man überhaupt eine Lüftungsanlage oder eine Kühlung?

Low-Tech ist eben nicht No-Tech. Ein robustes Betriebsoptimum ist das, was wir unter Low-Tech verstehen. Das Gebäude selbst soll so viel leisten, dass es ziemlich viele Betriebszustände mit einer einfachen Betriebsweise und Handhabung abbilden kann.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Sparsamkeit, sondern den richtigen Einsatz von Gebäuden, Materialien und Energien. THF ist ein typisches Beispiel für die Robustheit einer Architektur gegenüber unsicheren Randbedingungen wie unterschiedlichem Nutzerverhalten und auch gegenüber den klimatischen Veränderungen.

Wie wenig ist genug? Das ist ein entscheidender Satz für mich. Das betrifft die Low-Tech-Debatte, das betrifft die Suffizienz, die Bauweise, die Technik. Die Frage, wie wenig genug ist, ist aber auch eine Haltung, eine Strategie, bei der es darum geht, das Machbare mit dem Nötigen zu verknüpfen.

Fachbeitrag von Florian Dierl

THF – ein Ort der unterschiedlichen Wahrnehmungen

Von Florian Dierl

Für die Entwicklung des Standorts erscheinen folgende Gesichtspunkte wichtig:

  1. Profilierung: Die Geschichte des Areals stellt zusammen mit der monumentalen Architektur des Flughafengebäudes ein wesentliches Potenzial für die touristische Attraktivität des Standorts, wie auch als Location für externe kulturelle oder kommerzielle Nutzer dar. Durch die museale Erschließung von Teilen des Gebäudes und des Flugfelds kann das kulturgeschichtliche Profil als Kernelement des Standorts hervorgehoben werden. Dies sollte durch eine Institution geschehen, die sich dauerhaft am historischen Ort befindet und dessen Identität durch permanente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit repräsentiert. Diese Institution mit ihren Mitarbeitenden  ist die Visitenkarte des Standorts!
  2. Alleinstellungsmerkmal: Die vielfältigen Zeitschichten und Zäsuren (Pionierprojekt in der internationalen Luftfahrt – archetypischer Großflughafen/Repräsentationsbau/Ort der Verfolgung im Dritten Reich – Tor zum Westen im Kalten Krieg – urbane Parklandschaft im 21. Jh.) machen die spezifische Aura des Ortes aus. Die Aufgabe besteht daher darin, diese Komplexität angemessen abzubilden und die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Ortes als konstitutiven Bestandteil des Kulturstandortes zu verstehen. Ein Leitbild, das THF als einen pluralistischen, dialogoffenen, aber auch kontroversen Fokusort oder als Kraftfeld der Geschichte charakterisiert, könnte auch für die Außendarstellung weiterer Nutzer interessant sein.
  3. Soziokultur: Durch die Abtrennung des Flugfelds vom zumeist verschlossenen Flughafengebäude wirkt dieses in der Öffentlichkeit vor allem als Barriere für den Zugang zum Freizeit- und Erholungsgelände. Die Durchlässigkeit zwischen den beiden Teilbereichen könnte durch eine funktionale Verknüpfung ergänzt werden, indem im Gebäude Betriebsflächen für stadtteilbezogene Servicefunktionen zur Verfügung gestellt werden. Die Durchführung temporärer Kulturprojekte könnte zudem als partizipativer Prozess im Sinne einer demokratischen Aneignung des ehemals von den Nationalsozialisten definierten Ortes organisiert werden. Dies würde die zivilgesellschaftliche Akzeptanz des Gesamtvorhabens erhöhen.
  4. Bündnispartner: Der Kulturstandort benötigt für seine wirtschaftliche Tragfähigkeit vermutlich auch Nutzer mit kommerzieller Ausrichtung. Eine Nutzung wie die im Workshop diskutierte Vor-Ort- Produktion von erneuerbarer Energie (Blue Power) stünde im Einklang mit dem funktional-technischen Charakter des Areals und könnte dem Gesamtprojekt eine zusätzliche politische Schubkraft verleihen.

Archiv

In unserem Archiv finden Sie Dokumentationen vergangener Expert Meetings sowie die dazugehörigen Fachbeiträge und Impulsreferate.

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