Historische Aufnahme vom Flughafengebäude im Vordergrund steht ein Baum

HISTORISCHE SPURENSUCHE

Der Flughafen Tempelhof in seiner heutigen Form wurde zwischen 1936 und 1941 nach den Plänen von Ernst Sagebiel gebaut. Das größte Baudenkmal Europas steht für die monumentale Selbstinszenierung der Nationalsozialisten, ist durch die Luftbrücke von 1948/49 aber auch zu einem Symbol der Freiheit geworden. Die bauliche Anlage setzt sich zusammen aus der Ellipse des Flugfeldes und dem gewaltigen Gebäudekomplex. Dieser besteht aus einer Abfolge symmetrischer Bauteile: ein von zwei Bürotrakten flankierter Ehrenhof; die Empfangs- und Abfertigungshalle; Transitbereiche und der 1230 Meter lange Bogen der Hangars.

Der Flughafen Tempelhof ist einzigartig. Zumindest innerhalb Europas wurde in den 1930er Jahren keine andere Anlage dieser Größenordnung errichtet. Tempelhof ist weltweit der einzige Flughafen, in dem die Hangars mit den Abfertigungs- und Verwaltungsräumen in einem Gebäude zusammengeführt wurden. Die Architektur des Flughafens ist zugleich monumental und technisch modern. Die Naturstein-Verkleidung und strenge Fassadengliederung verleihen dem Gebäude zur Stadt hin eine wuchtige Anmutung. Auf der zum Flugfeld weisenden Seite hingegen wird die moderne Stahlkonstruktion des Hangarbogens sichtbar. Der 380 Meter lange Flugsteig in der Mitte des Gebäudes wird überspannt von einer 40 Meter breiten, freitragenden Kragkonstruktion.

2011 erhielt das Gebäude die Auszeichnung: Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst. Die Bauarbeiten konnten wegen des Zweiten Weltkriegs nicht zu Ende geführt werden. Heute noch sind die 13 Treppentürme, die als Aufgänge zu der geplanten Dach-Tribüne für mehr als 80.000 Zuschauer gedacht waren, im Rohbauzustand. Zu Beginn des Krieges waren in den Verwaltungstrakten um den heutigen Platz der Luftbrücke neben der Lufthansa und der Hansa Luftbild auch die Berliner Flughafengesellschaft untergebracht. Im 2. Weltkrieg wurden viele Flächen des Gebäudes für Rüstungsproduktionen genutzt. Erst die US Air Force nahm ab 1945 den Flugbetrieb im neuen Gebäude auf und gab nach dem Ende der Luftbrücke Teile des Flughafens für die zivile Nutzung durch deutsche Stellen frei. Am 9. Juli 1951 begann im späteren General Aviation Terminal (GAT) offiziell der zivile Luftverkehr in Tempelhof. Die Haupthalle im Flughafengebäude erhielt ihr heutiges Aussehen im Jahr 1962.

Blick vom Dach auf das Flugfeld mit verschiedenen Flugzeugen, historische Aufnahme

Chronik

Vom Exerzierplatz zum internationalen Airport - die Geschichte des Flughafens Tempelhof im Überblick

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Deutsches Reich Koenigreich Preussen (1867-1918) Berlin Berlin: Fahrt des Zeppelin LZ 6 vom 27.08.1909-02.09.1909 - Schaulustige auf dem Tempelhofer Feld, ueber ihnen schwebt das Luftschiff

Luftfahrtgeschichte

Die Geschichte der Luftfahrt in Tempelhof beginnt Ende des 19. Jahrhunderts mit Gasballons. Wenige Jahrzehnte später, in den 1950er Jahren war der Flughafen vom Passagieraufkommen neben London und Paris bereits einer der größten in Europa.

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Sagebiel, Ernst - Architekt am Modell vom Flughafen Tempelhof, Aufnahme von 1940

Nationalsozialismus

Aufschluss gibt die Geschichte des Tempelhofer Feldes auch über Ideologie und Realität des nationalsozialistischen Regimes. Das Gelände war Schauplatz propagandistischer Masseninszenierungen und Standort des einzigen offiziellen Berliner Konzentrationslagers. Der neue Flughafenbau mit charakteristischen Merkmalen der NS-Architektur wurde im Zweiten Weltkrieg für Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit genutzt.

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DDR-Flüchtlinge bei der Ankunft am Flughafen Berlin - Tempelhof zur Abfertigung von Sonderflügen

Symbol der Freiheit

Die Luftbrücke und die Flucht vieler tausend Menschen aus dem sowjetischen Sektor oder der DDR machen den Flughafen Tempelhof im Kalten Krieg zum international bekannten Symbol für die Verteidigung der Freiheit.

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