Luftbrücke: Vor 77 Jahren endete die Blockade Berlins
Kaum ein Datum hat die Identität Berlins so nachhaltig geprägt wie dieses: Am 12. Mai 1949, vor 77 Jahren, endete eine der beeindruckendsten humanitären Leistung der Geschichte: Die Luftbrücke zur Versorgung der Bevölkerung in den Berliner West-Sektoren. Errichtet wurde die Luftbrücke, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht jegliche Land- und Wasserwege nach Berlin blockiert hatten.
Beginn der Blockade von Berlin
Zwar waren die Ursachen für die Blockade Berlins vielfältig, doch unmittelbar ausgelöst wurde die Krise durch die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen im Juni 1948, die auch auf West-Berlin ausgedehnt werden sollte. Als Reaktion darauf blockierte die Sowjetunion ab dem 24. Juni 1948 sämtliche Land- und Wasserwege nach West-Berlin und kappte zudem die Energieversorgung. Fabriken, öffentliche Einrichtungen und Haushalte, auch die Garnisonen der Alliierten in den Westsektoren waren nicht mehr ausreichend versorgt. Mehr als zwei Millionen Menschen waren plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten.
Video zur Geschichte der Berliner Luftbrücke
In diesem Video erzählen wir die Geschichte der Luftbrücke am Flughafen Tempelhof: vom „Rosinenbomber“ bis zur politischen Symbolik eines Ortes, der bis heute für Freiheit und Demokratie steht.
Versorgung von rund 2,1 Millionen Menschen
Die Westmächte entschließen sich, ihre Rechte in Berlin zu verteidigen. Auf Drängen Ernst Reuters, der später zum Oberbürgermeister Berlins ernannt wurde, begannen die US-Amerikaner:innen unter der Leitung des US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay am 26. Juni 1948 die Luftversorgung der eingeschlossenen Stadt – die sogenannte Luftbrücke.
In den folgenden Monaten entwickelte sich eine logistische Meisterleistung: Fast im Minutentakt landeten Flugzeuge auf einem der drei West-Berliner Flughäfen. Tempelhof im amerikanischen Sektor ist der Hauptflughafen der Luftbrücke und schlug allein etwa 40 % der gesamten Tonnage um. Um diesen enormen Belastungen standzuhalten, wurden in Tempelhof innerhalb kürzester Zeit die beiden noch heute existierenden Start- und Landebahnen angelegt, da die ursprüngliche Lochblechbahn den schweren Maschinen nicht gewachsen war.
Rosinenbomber und Rekordflüge
Von den Berliner:innen wurden die Versorgungsflugzeuge liebevoll „Rosinenbomber“ genannt. Besonders bekannt wurde der Pilot Gail Halvorsen, der als “Candy Bomber” kleine Fallschirme mit Süßigkeiten für die Kinder abwarf und später, von 1970 bis 1974, sogar Kommandant der Air Base Tempelhof wurde. Zwischen dem 26. Juni 1948 und dem 6. Oktober 1949 wurden in fast 278 000 Flügen mehr als 2,3 Millionen Tonnen Fracht nach Berlin transportiert: Lebensmittel, Kohle, Maschinen, Ausrüstung und andere Güter des täglichen Bedarfs sollten die 2,1 Millionen Menschen in West-Berlin versorgen. Das System wurde so perfektioniert, dass die Flugzeuge in fünf Reihen höhengestaffelt im Abstand von nur drei Minuten landen konnten.
Am Rekordtag im April 1949 landeten innerhalb von 24 Stunden sogar 1.398 Maschinen in Berlin. Auch das flughafeneigene Wasserwerk spielte eine Schlüsselrolle, da es während der Blockade weite Teile der Stadt mit Trinkwasser versorgen konnte.
Trotz knapper Rationen und schwieriger Lebensbedingungen bewiesen die Berlinerinnen und Berliner großen Durchhaltewillen. So wurde die Luftbrücke zu einem Symbol des Widerstands gegen die Blockade und für die Verteidigung demokratischer Werte.
Das Ende der Blockade & die Rolle Ernst Reuters
Auch der Politiker Ernst Reuter wurde zur Symbolfigur des Widerstands. Mit seiner berühmten Rede „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“ vom 9. September 1948 vor der Ruine des Reichstags forderte er einerseits internationale Unterstützung für Berlin. Andererseits bewegte er die Berliner:innen zum Durchhalten. Mit Erfolg: Nach monatelangem politischem Druck und dem offensichtlichen Scheitern der Blockade hob die Sowjetunion am 12. Mai 1949 alle Sperren auf. Straßen, Schienen und Wasserwege nach West-Berlin waren wieder frei.
Auch wenn diese erste Krise im Kalten Krieg ohne militärische Gewalt gelöst werden konnte, brachte die Luftbrücke auch Opfer mit sich: Bis zum Ende der Hilfsaktion kamen 77 Menschen ums Leben. An sie erinnert das am 10. Juli 1951 eingeweihte Luftbrückendenkmal auf dem Platz der Luftbrücke, dessen drei „Krallen“ die drei vertraglich vereinbarten Luftkorridore symbolisieren.
THFxGESCHICHTE
Anlässlich des 77. Jahrestags der Aufhebung der Blockade laden wir alle Interessierten am 12.5.2026 zu THFxGESCHICHTE ein. In Kooperation mit der Stiftung Luftbrückendank und mit Dr. Michael Bienert von der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv blicken wir auf dieses für die Geschichte Berlins entscheidende Kapitel zurück. Im Mittelpunkt des Abends steht die visionäre Kraft von Ernst Reuters. Kaum ein anderer Name ist so sehr mit dem Kampf um die Freiheit Berlins während der sowjetischen Blockade 1948/49 verbunden. In einer Zeit der existenziellen Bedrohung wurde er zur wichtigsten Stimme der Menschen für Selbstbehauptung und Demokratie. Vor diesem Hintergrund soll es aber auch um wichtige Fragen an die Gegenwart gehen: Was ist von Reuters Einsatz geblieben? Kann seine Person heute noch als Vorbild dienen?