Blick durch den insgesamt 400 Meter langen Tunnel.

Baustart für Tunnelfugen-Sanierung

Am Flughafen Tempelhof hat die dringend notwendige Instandsetzung der Straßen- und Eisenbahntunnelfugen begonnen . Das Bauwerk, das 1936 geplant und erbaut wurde und die monumentale Abfertigungshalle unterirdisch unterquert, kämpft gegen die Zeit: Undichte Tunnelfugen lassen seit Längerem Wasser in die Struktur eindringen. Die Maßnahme ist wichtig, da das Wasser die Dauerhaftigkeit, Verkehrssicherheit und langfristig die Standsicherheit des Tunnels mindern könnte.

Der Tunnel, ursprünglich als „Frachttunnel“ bezeichnet, ist ein massives Bauwerk aus Stahlbeton und erstreckt sich über rund 400 Meter, teils unterhalb der Abfertigungshalle. Er wurde als Teil einer multimodalen Logistik geplant und spielte später sogar eine kriegswichtige Rolle: Ab 1944 wurden hier Jagdflugzeuge repariert und ausgerüstet – Reste von Kranbahnen zeugen noch heute davon. Nach Kriegsende nutzte man die Gleise für den Bahntransport, vor allem von Heizöl für das nahgelegene Kraftwerk, bis das Anschlussgleis Ende der 1980er Jahre stillgelegt wurde. Noch heute ist die Trasse unter dem Flughafen eine wichtige und schnelle Verbindung zwischen den weitläufigen Gebäudeteilen und dient vor allem dem Logistik- und Autoverkehr.

Warum die Sanierung notwendig ist

Die Fugen sind typische Dehnungsfugen, die die temperaturbedingten Verformungen des Stahlbetonbauwerks in regelmäßigen Abschnitten ermöglichen. 3 der 10 Fugen des Eisenbahntunnels sind seit geraumer Zeit auch trotz zwischenzeitlicher Sanierungsmaßnahmen undicht. Dies zeigt sich nach Niederschlagsereignissen durch feuchte Stellen an den betroffenen Fugen im Tunnel.  Die in das Bauwerk eindringende Feuchte verstärkt die altersbedingten Schäden erheblich. Bei einer ersten Sondierung an drei Fugen im Jahr 2024 wurden verschiedene Fugenabstände zwischen 10 – 30 cm gemessen und verschiedene Abdichtungen, von ursprünglichen Korkmaterial bis zu bituminösem und schadstoffbelastetem Material, vorgefunden, Überreste von später notdürftig durchgeführten Reparaturen.

Aktuell konzentriert sich die Instandsetzungsmaßnahme der Tempelhof Projekt GmbH ausschließlich auf die drei schadhaften Tunnelfugen. Dabei wird sich auf die sogenannte „Deckelabdichtung“ beschränkt, bei der die Fugen von außen durch offene Gräben freigelegt und sowohl die Tunneldecke als auch die Seitenwände auf etwa einem Meter Tiefe neu abgedichtet werden. Es wird ein neues Dichtband in der Fuge installiert. Hierfür muss das bestehenden Fugenmaterialien entfernt werden. Anschließend wird auch die außenliegende Abdichtung der Tunneldecke erneuert und an die Bestandsabdichtung angeschlossen, um eine dauerhafte Lösung zu gewährleisten.

Baugrube über einer betroffenen Fuge.
Entlang der gesamten Tunnelfuge wird eine Baugrube ausgehoben. Ein Zelt schützt vor Feuchtigkeit während der Arbeiten.
Blick auf den Schutzbeton, der die Fuge bedeckt.
In der Baugrube zeigen sich die unterschiedlichen Schutzschichten die sich auf der Tunneldecke über der Fuge befinden. Sie mussten erst entfernt werden.
Blick auf eine freigelegte Tunnelfuge.
Ein Blick auf die Tunneldecke und die schadhafte Dehnungsfuge. Davor an der Seitenwand das isolierende Mauerwerk aus Hartbrandsteinen.

Herausforderungen der Bauausführung

Die Außenanlagen des Flughafens gelten als gefährdeter Kampfmittelbereich, so dass der Aushub der Baugruben durch den Kampfmittelräumdienst begleitet werden muss. Zudem wurden In den nachträglich eingebauten Abdichtungen teilweise Schadstoffe nachgewiesen, weshalb der Rückbau auch schadstofftechnisch begleitet werden muss. Auch die Logistik stellt das THP-Team vor Herausforderungen: Die Sanierung findet in den Verkehrsflächen des Flughafens statt und die Baustelleneinrichtung muss sich den Platz mit PKW-Stellplätzen, Fluchtwegen, Müllplätzen und Feuerwehrdurchfahrten aber auch mit der Eventlogistik teilen, was bei der Vorbereitung der Baumaßnahme einiges an Abstimmungsbedarf erfordert hat. Selbst der Denkmalschutz spiel bei der Tunnelfugeninstandsetzung eine wichtige Rolle. Der Fokus liegt weniger auf den Fugenausbildungen als auf den sogfältig ausgebauten Materialien, wie Pflastersteinen und Borden und dem Schutz der angrenzende Bausubstanz, wie der historischen Natursteinfassade.

Ein Blick in die Zukunft

Auch wenn der Straßen- und Eisenbahntunnel im Verborgenen liegt, so ist auch er ein Hauptbestandteil des damals innovativen Logistiksystems und stiller Zeuge der wechselvollen Vergangenheit des Flughafens. Mit der Sanierung wird also nicht nur ein technisches Problem gelöst, sondern ein Stück des Flughafengebäudes bewahrt.

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