5 verborgene Orte im Flughafen Tempelhof, die kaum jemand kennt
Der kuriose Medienkanal
Gewissermaßen parallel zur Freilufttribüne auf dem Dach verläuft im zweiten Untergeschoss ein etwa 1,2 Kilometer langer Gang – der ominöse “Medienkanal”. Wer hier hinabsteigt, merkt sofort: Es ist warm, und das liegt nicht an der Sonne, sondern an allen Heizungsrohren, die hier wie ein Kabelsalat durch den Schacht winden.
Man kann tatsächlich durchlaufen – wenn man sich traut. Und ehrlich gesagt: düster, eng und geheimnisvoll genug, um als Kulisse für den nächsten Gruselfilm durchzugehen.
Telefonzentrale – Das Herz des Telefonnetzes
Obwohl hier schon lange nichts mehr klingelt, war dieser Ort einst ein zentraler Knotenpunkt der Kommunikation. Im Bauteil G2, Untergeschoss 2, befand sich die Telefonzentrale des Flughafen Tempelhof. Von den 1950er-Jahren bis Ende der 1990er Jahre liefen hier alle Leitungen zusammen. Damals wurde noch “über Draht” telefoniert, und Gespräche konnten bei Bedarf sogar manuell vermittelt werden.
Von hier aus erfolgte nicht nur die Weitervermittlung der Gespräche, sondern auch die Signalweiterleitung zu den umliegenden Standorten der Hindernisbefeuerung. Wer wen erreichen wollte, kam an dieser technischen Schaltstelle nicht vorbei. Und das Beste: Diese beeindruckende Zentrale existiert noch immer im THF.
818 Toiletten und 2 Saunen
Im Flughafen Tempelhof gibt es 7.266 Räume – ja, richtig gelesen: 7.266! Darunter 2.450 Büroräume. Viele der anderen Räume sind allerdings eher “geheime Technik-Kammern”, in denen Kabel, Leitungen und technische Geräte schlummern, die zum Betrieb eines Flughafens gebraucht werden. Wer hier den Überblick über all diese Räume behalten will, braucht einen ganzen Schlüsselbund mit 44.000 Schlüsseln. Und falls die Dringlichkeit ruft, stehen 818 Toiletten bereit – genug, dass man nie weit laufen muss.
Und für alle die sich nach Entspannung sehnen: Gleich zwei Saunen sind im THF zu finden. Eine wurde von den amerikanischen Truppen eingerichtet, eine gehörte zum zivilen Teil des Flughafens. Auch wenn man den typischen Duft der Sauna hier noch riechen kann, in Betrieb sind sie nicht mehr: beide Saunen wurden am 31. Dezember 2008 geschlossen, zwei Monate nach dem offiziellen Ende des Flughafenbetriebs.
Flughafen mit Sportanlage: Körbe werfen zwischen Startbahn und Terminal
Wer hätte gedacht, dass man im Flughafen Tempelhof nicht nur abheben, sondern auch Körbe werfen konnte? 1947 ließ die Air Force eine prunkvolle Basketballhalle für die hier lebenden Soldat:innen errichten. Als Heimstätte des Basketballteams ‚Berlin Braves’ wurde sie auch für den Spielbetrieb der Basketball-Liga innerhalb der Air Force genutzt.
Auch eine Bowlingbahn hatten die Amerikaner:innen hier einbauen lassen. Diese wurde allerdings nach ihrem Abzug wieder abgebaut. Die Basketballhalle hingegen hat überlebt – auch wenn sie inzwischen aus statischen Gründen nicht mehr bespielbar ist. Wer Lust hat, kann sie aber noch bei Gebäudeführungen bestaunen und sich vorstellen, wie die Amerikaner:innen hier einst über den Court dribbelten.
Filmbunker – Spuren einer unterirdischen Vergangenheit
Erbaut ab 1937 unter strenger Geheimhaltung: Der sogenannte Filmbunker wurde speziell für die Hansa Luftbild errichtet. In den zwei unterirdischen Stockwerken wurden ab 1939 riesige Mengen streng geheimer Luftbildaufnahmen, Karten und Pläne gelagert, darunter auch Material von Spionage- und Aufklärungsflügen über andere Länder.
Ein Teil des Filmmaterials bestand aus hochentzündlichem Zelluloid, das bei weniger als 40 °C Feuer fangen kann. Deshalb war eine aufwändige Klimatisierung notwendig, alles im Dienst der Kriegsführung. In den letzten Kriegstagen gab es einen großen Brand im Filmbunker. Ob durch Selbstentzündung, sowjetischen Beschuss oder gezielte Zerstörung durch die Wehrmacht, lässt sich bis heute nicht mehr sicher klären. Wahrscheinlich war es jedoch eine gezielte Vernichtung durch die Nationalsozialisten, um das Material nicht in Feindeshand fallen zu lassen. Die Geschichte des Filmbunkers ist eines der vielen dunklen Kapitel, das bis heute Fragen aufwirft.
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