Eingangsbereich Hangar 4 mit Willkommens-Bannern

Aufbau der Flüchtlingsnotunterkunft am Flughafen Tempelhof

Eine enorme logistische Leistung: Innerhalb weniger Wochen entstand am Flughafen Tempelhof eine weitere dringend benötigte Flüchtlingsnotunterkunft des Landes Berlin.

Die Ausgangsbedingungen in den vorgesehenen zwei Hangars waren nicht ideal und der Zeitdruck hoch. Doch durch das gute Zusammenspiel aller Beteiligten konnte die Unterkunft rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest eröffnet werden. Wir blicken hinter die Kulissen.

Um ausreichend Unterbringungsplätze für die anhaltend hohe Zahl der täglich in Berlin ankommenden Geflüchteten zu schaffen, beschloss der Berliner Senat Ende vergangenen Jahres die kurzfristige Schaffung von großflächigen Unterkunftsplätzen. Am 14. November 2022 fiel die Standortentscheidung für den Flughafen Tempelhof. Einzelne Hangars im fast 90 Jahre alten Flughafengebäude waren schon 2015 zur rettenden Notunterkunft für tausende Geflüchtete geworden.

Der Aufbau der Infrastruktur war eine enorme logistische Leistung des Krisenstabs der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales (SenIAS), des zuständigen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), der am Aufbau beteiligten Unternehmen – aber auch für das Team der Tempelhof Projekt GmbH. In nur 16 Tagen wurde die neue Flüchtlingsnotunterkunft (FNU) in Hangar 2 und 3 eingerichtet und am 22. Dezember 2022 im Beisein von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey und Sozialsenatorin Katja Kipping eröffnet. Nun stehen 868 Schlafplätze in unseren Hangars zur Verfügung. Auf 10.000 Quadratmeter Fläche wurden ca. 2000 Tonnen Material verbaut und 16 Kilometer Kabel verlegt. 165 Sattelzüge transportierten 281 Container und andere Materialien nach Tempelhof.

Lutz Ryl, Bereichsleiter Facility Management, begleitete die Umsetzung am Flughafen Tempelhof. Wir haben mit ihm über die Ausgangslage am Standort und die Herausforderung gesprochen.

Erst vor ein paar Wochen hat der Senat entschieden, weitere Orte zu schaffen, um Geflüchtete in der Stadt unterbringen zu können. Früh wurde auch der Flughafen Tempelhof ins Spiel gebracht. Wann haben Sie davon erfahren?

Natürlich haben wir die Lage ständig mitverfolgt und seit 2015, der ersten großen Flüchtlingskrise, wissen wir, dass auch der Flughafen Tempelhof ein geeigneter Standort sein kann. Am 11. November 2022 gab es dann erste konkrete Gespräche mit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Dabei wurde sondiert, welche Flächen im Flughafengebäude für eine Notunterkunft in Frage kommen und kurzfristig hergerichtet werden könnten. Die Hangars 2 und 3 stellten sich dabei als geeignet heraus.

In welcher Funktion begleiten Sie das Projekt?

Ich bin der verantwortliche Projektleiter am Standort und koordiniere die Prozesse, die mit der Notunterkunft zusammenhängen.

Wie waren die Ausgangsbedingungen in den Hangars?

Noch vor ein paar Monaten erst befand sich in den betreffenden Hangars eine große internationale Kunstaustellung der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Die Stellwände waren noch nicht abgebaut und mussten erst noch entsorgt werden. Die größte Herausforderung bei der dauerhaften Unterbringung von Personen war allerdings ernster Natur. Ein aktuelles Schadstoffgutachten, dessen Ergebnisse uns erst kürzlich vorlagen, förderte einen Generalverdacht zu Schadstoffen im Hangar zu Tage. Dem mussten wir natürlich unverzüglich nachgehen, da eine Nutzung als Notunterkunft ansonsten nicht möglich gewesen wäre. Eine Schadstoffquelle wurde nicht gefunden. Dabei handelte es sich um Verunreinigungen aus den Jahren des Flugbetriebes, welche durch die Reinigung beseitigt werden konnten. Eine Gefährdung bei temporärer Benutzung bestand nicht.

Die Tempelhof Projekt GmbH ist nicht die Betreiberin der Notunterkunft, dennoch gibt es zentrale Aufgaben, die die Gesellschaft übernommen hat, welche sind das?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen das Gebäude am besten und sind deshalb für den reibungslosen Betrieb der Notunterkunft unerlässlich. Zum Beispiel unterstützen wir die Betreiberin und Dienstleister beim Aufbau und während der Inbetriebnahmephase (z.B. Hallenwart, Stördienst). Auch der Prozess der vielen komplexen rechtlichen Genehmigungen und der Vertragsabschluss mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH wurde von uns begleitet. Wir halfen auch dabei, die Grundversorgung mit Strom und Wasser herzustellen. Und natürlich musste auch der laufende Betrieb am Standort geregelt werden, d.h. wir stimmten uns mit den Mietern ab und koordinierten die notwendigen Maßnahmen hinsichtlich geplanter Veranstaltungen auf dem Gelände.

Wie gut läuft der Betrieb aktuell?

Ich bin zufrieden, dass trotz der Dringlichkeit und der vielen Herausforderungen der Aufbau reibungslos und planmäßig zum 23.12.2022 erfolgen konnte. Sicher werden wir einen routinierten Betriebsablauf der Notunterkunft gewährleisten können – auch dank der sehr guten Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen auf Landes- und Betreiberseite.

Die Notunterkunft kam vergleichsweise plötzlich und beeinflusst zwangsläufig den regulären Betrieb des Flughafengebäudes. Wie wirkt sich das auf bestehende Projekt- und Zeitpläne aus?

Richtig, die Einrichtung der Notunterkunft hat natürlich einen großen Einfluss auf unsere tägliche Arbeit. Zum Beispiel mussten wir den Mietern von über 100 Parkplätze leider sehr kurzfristig kündigen. Veranstaltungen müssen geprüft werden, ob diese wie geplant stattfinden können. Langfristig wären die Auswirkungen aber noch größer, denn spätestens im Sommer 2024 müssen wir mit der dringend notwendigen Instandsetzung der Dächer von Hangar 1 bis 4 beginnen.

Herr Ryl, wir danken Ihnen für den Einblick.

Eine Zusammenfassung der beeindruckenden Leistung in der Vorweihnachtszeit gibt es als Video „Unterkunft Flughafen Tempelhof“ bei Youtube.

Weitere Informationen zu temporären Notunterkünften für Geflüchtete in Berlin erhalten Sie online bei der zuständigen Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

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